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Ein intaktes Förderschulsystem wird kaputtgespart

Es geht um Kinder mit Behinderung und ihre Bedürfnisse

 

Essen, 5. Juli 2013. – Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen e.V. (VkdL) hat größte Bedenken gegen die Anhebung der Mindestgröße für Förderschulen. Das nordrhein-westfälische Schulministerium hat gestern diesen Schritt beschlossen, nachdem der Landesrechnungshof moniert hatte, dass viele Förderschulen zu klein und nicht finanzierbar seien. Betroffen sind hiervon hauptsächlich Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt „Lernen“: Diese müssen jetzt, wenn sie nur die Sekundarstufe I umfassen, mindestens 112 Schüler haben. Eine Unterschreitung der Mindestgrößen um bis zur Hälfte ist damit nicht mehr möglich.

Der VkdL sieht dabei vor allem die Versorgung mit Förderschulen in ländlichen Regionen in Gefahr. Den Eltern sei es nicht zuzumuten, weite Wege zur nächstgelegenen Förderschule zu fahren oder - aus der Not heraus – ihre Kinder doch auf die Regelschule zu schicken, obwohl dies aus Expertensicht vielleicht nicht ratsam ist.

Die Kritik des Landesrechnungshofes und die Reaktion des Schulministeriums zeigen einmal mehr, dass sich das NRW-Schulministerium mit dem Inklusionsprojekt völlig übernommen hat, so der VkdL. Es laufe alles aus dem Ruder – die Leidtragenden sind die Kinder und Jugendlichen, die das Experiment „erdulden“ müssen. Der VkdL hält es für unverantwortlich, dass die Landesregierung bei soviel Kritik von allen Seiten dennoch am Inklusionsprojekt festhält und – statt den zeitlichen Rahmen großzügiger zu gestalten – die Mindestgrößen ändert. Der VkdL befürchtet: Wenn sich erst einmal herausstellt, wie teuer die Fortbildung der Inklusionskräfte wirklich ist, werden vermutlich als Nächstes auch an den Klassengrößen nach oben korrigiert, bis es passend ist. „So wird ein komplettes intaktes System ohne Not umgekrempelt, nur um den politischen Willen durchzusetzen – die pädagogische Qualität spielt überhaupt keine Rolle“, warnt die Bundesvorsitzende Roswitha Fischer.

V.i.S.d.P.: Roswitha Fischer, Verein katholischer deutscher Lehrerinnen e.V., Berufsverband für katholische Pädagoginnen aller Bildungsbereiche

 

Schlagzeilen

ARBEITNEHMERFREIZÜGIGKEIT

Zum 1. Mai 2011 endet die siebenjährige Übergangszeit für die acht osteuropäischen Staaten, die 2004 der EU beigetreten sind und die damit verbundenen Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU. Dies sind Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Die Bürger dieser Staaten können sich damit künftig frei auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt als eine der Grundfreiheiten in der EU - neben dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit rechnet mit rund 100.000 Menschen, die wegen der Freizügigkeit pro Jahr zusätzlich nach Deutschland kommen werden.
Vor diesem Hintergrund ist es äußerst wichtig, für weitere Branchen im Rahmen des Arbeitnehmerentsendegesetzes Mindestlöhne festzusetzen, die von in- und ausländischen Unternehmen und Betrieben nicht unterschritten werden dürfen.  Dies gilt insbesondere für das Wach- und Sicherheitsgewerbe und die Zeitarbeit.